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Kamerun: Landwirtschaft im Dunkeln


Arme Landwirte habe nur geringe Aussichten darauf, einen fairen Preis für ihre Produkte zu bekommen, wenn sie nicht wissen, was Märkte außerhalb ihres Dorfes zu zahlen bereit sind. Das Internet gibt ihnen hierzu die Möglichkeit durch Programme wie INFOSHARE, das den Zugang zu Marktnachrichten für tausende von entlegen wohnenden Kakao- und Kaffeebauern in Kamerun bereit stellt.

Das Thema

Wissen ist Macht und das Fehlen von Wissen über Märkte und Preise ist ein entscheidender Faktor dafür, dass arme Landwirte überall auf der Welt auch arm bleiben. Afrikanische Kakao- und Kaffee-Produzenten zum Beispiel verdienen nur ein Zwölftel des internationalen Marktpreises für ihre Ernte. Im Dunkeln darüber gelassen, welche Preise auf lokalen und internationalen Märkten erzielt werden, hängen sie von der Gnade der Händler und Handelsgesellschaften ab. Dies trifft für Afrika ebenso zu, wie für Asien und Lateinamerika.

Der fehlende Zugang von Landwirten zu Märkten und Preisen war lange Zeit das größte Hemmnis gegen einen Ausbruch aus dem Armutskreislauf. Eine neue Strategie basierend auf der Nutzung der Informationstechnologie gibt den Bemühungen dazu einen erheblichen Aufwind. Sie hilft dabei, auch den am weitest entfernt wohnenden Landwirt mit Informationen zu versorgen. Ein Beispiel für dieses neue Potenzial ist ein technisches Unterstützungsprogramm mit dem Namen INFOSHARE, das den Produzenten von Handelsgütern Zugang zu Informationen verschafft, die sie benötigen um besser Preise verhandeln und ihre Produkte in hochpreisige Märkte einführen zu können. Kamerun mit ungefähr 900.000 Kakao- und Kaffee-Kleinbauern testet das System. Schon das anfängliche Interesse macht klar, dass es im Jahr 2006 auf andere Länder und weitere Warenarten ausgeweitet wird. Dorfbewohner ohne Zugang zum Internet erhalten die Informationen zweimal täglich über nationale Radioanstalten. Es wird geschätzt, dass eine bessere Markttransparenz in Kamerun den Gewinn der Kleinbauern um zehn bis 15 Prozent steigern wird. INFOSHARE wird von der Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) betrieben, die dieses Informationsaustauschsystem entworfen und Regierungsmitarbeiter dafür ausgebildet hat. Es ist Teil von INFOCOMM, einem UNCTAD-Internetportal, das kostenlos Preis-, Produkt- und Marktinformationen zu ungefähr 20 Warensektoren liefert. INFOCOMM wird aktuell von zwölf bis 15 Millionen Menschen weltweit genutzt, wobei 60 Prozent der Nutzer in Entwicklungsländern wohnen.


Die Fakten

  • Der Anteil am Endverbraucherpreis, den Kaffeebauern pro verkaufter Packung erhalten, sank zwischen den frühen 90er Jahren und dem neuen Jahrtausend von ungefähr 37 Prozent auf sechs bis acht Prozent. Kakaoproduzenten erhalten ungefähr sieben Prozent des Endpreises im Supermarkt.
  • Wenn der durchschnittliche Warenpreis auf dem Weltmarkt steigt, geht der Profit meist an die großen Handelsgesellschaften und nicht an die Kleinbauern. Der Grund ist, dass arme Landwirte zur Erntezeit verkaufen müssen, da sie es sich nicht leisten können, ihre Produkte zu lagern und auf steigende Preise zu spekulieren.
  • Ohne Informationen darüber, worauf sich die Produktion stützen soll, haben Kleinbauern keine Möglichkeit sich vor Überproduktion zu schützen. Dagegen könnten sie beim Zugang zu Ernteprognosen den eigenen Anbau marktgerecht anpassen.
  • Einige Agrargütermärkte sind durch die Einführung genetisch modifizierter Organismen gestört. Genetisch modifizierte Stämme finden sich heute in einem von vier Baumwollfelder gegenüber zwei Prozent im Jahr 1997. Arme Produzenten sehen keinen Cent von diesen Ernten, da sie von Kartellen bewirtschaftet werden.
  • Wie INFOSHARE helfen andere Projekte überall auf der Welt den Armen ihr Leben zu verbessern. Im ländlichen Indien findet INFOTHELA Einsatz: Äußerlich ähnlich einer Rikscha wird mit einem Pedalgenerator ein Computer mit Strom versorgt und bietet in entlegenen Dörfern kostenlosen kabellosen Zugang zum Internet. Zum INFOTHELA-System gehören auch Dienstleistungen mit reisenden Mitarbeitern in ländlichen Gebieten, Online-Termingeschäfte, Prognosen zu Produzentenverkaufspreisen, biometrische Identifikation und Kreditvergabe an Landwirte für Lagerwaren. Das Projekt wird vom Indischen Institut für Technologie organisiert.

Weitere Informationen:

UN Conference on Trade and Development (UNCTAD):
Olivier Matringe, Economist, Tel: +41 22 917 5774, E-mail: olivier.matringe@unctad.org; Mehmet Arda, Head, Commodities Branch, Tel: +41 22 917 5790; E-mail: mehmet.arda@unctad.org; Erica Meltzer, Chief, External Relations and Communications, Tel. +41 22 917 5365, E-mail: erica.meltzer@unctad.org


Internetadressen:

Infocomm web site: http://unctad.org/infocomm/