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Ademir und Valdir arbeiten wieder
Der Stahlarbeiter Ademir Canal und der Fräsmechaniker Valdir Ferreira haben mehr gemeinsam als ihre Arbeit in der Firma American Tool in dem brasilianischen Staat Rio Grande do Sul. Beide nahmen an einem firmenweiten Programm zur Bekämpfung von Suchtstoffmissbrauch teil und beide haben eine Alkoholabhängigkeit hinter sich.

Das Programm “Verhinderung von Drogenabhängigkeit am Arbeitsplatz“ wurde vom Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNDCP) in Zusammenarbeit mit einer brasilianischen Behörde, dem Sozialdienst der Industrie von Rio Grande do Sul (SESI-RS) entwickelt. Es basiert auf einem Modell, das von zwei anderen UNO-Einrichtungen - der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgearbeitet und an die brasilianischen Verhältnisse angepasst wurde.

Das Programm wertet zuerst die Drogen- und Alkoholprobleme innerhalb der Firmen aus und ordnet ihre Arbeiter dann in drei Kategorien ein: grün (gesunde Menschen), gelb (solche, die Alkohol- und Drogenprobleme haben) und rot (solche, die eine besondere Behandlung erfordern). Ademir und Valdir sind beide in der “roten Gruppe“ gelandet.

Für jede Gruppe gibt es besondere Aktivitäten. Die “Grünen“ nehmen an einer Aufklärungskampagne und an Tätigkeiten teil, die ihre Familie einbeziehen. Die “Gelben“ konzentrieren sich auf eigenständige Bemühungen zur Verhaltensänderung, auf Präventionshilfen und auf die Ausbildung von Firmenchefs und Vorgesetzten. Die Roten erhalten eine intensive Behandlung, auf die eine Wiedereingliederung in das Arbeitsleben folgt.

“Ich habe mein ganzes Geld für Alkohol ausgegeben, ich weiß nicht, wie meine Familie mich ertragen konnte“, sagte Valdir, der 34 Jahre alt ist und zwei Söhne hat. Er wandte sich aufgrund seiner Depressionen dem Alkohol zu. “Meine Söhne waren krank. Ich war nicht glücklich in meiner Ehe“, sagt er, “ich trank zunächst nur nach der Arbeit oder an Wochenenden, aber dann brauchte ich den Alkohol den ganzen Tag.“

Ademir erzählt eine ähnliche Geschichte. “Ich habe gut gelebt. Nach der Arbeit bin ich auf dem Nachhauseweg oft in einige Bars gegangen, um Karten zu spielen und etwas zu trinken. Langsam wurde alles schlimmer und dann begannen die Probleme mit meiner Familie.“

Seit Ademir und Valdir an dem Programm teilnehmen, befinden sie sich auf dem Weg zur Besserung. Ademir erhielt psychologische Beratung und arbeitet in einer Vorbeugungsgruppe, die ihm bei seiner Rückkehr in das tägliche Leben eines Stahlarbeiters hilft. In den acht Monaten, in denen Vladir “trocken“ war, hat er bereits ein Stück Land gekauft und will jetzt ein neues Haus bauen.

Das Programm “Verhinderung von Drogenmißbrauch am Arbeitsplatz“ hat die Aufmerksamkeit von American Tool und 50 anderen brasilianischen Firmen erlangt, die ihre Produktivität durch die Förderung gesünderer Arbeitsplätze erhöhen wollen. In diesen Unternehmen sind das Zu-spät-zur-Arbeit-kommen um 29 Prozent, das unentschuldigte Fernbleiben von der Arbeit um 14 Prozent und die Zahl der Unfälle am Arbeitsplatz um 35 Prozent zurückgegangen. Der Drogen- und Alkoholkonsum ist gar um 70 Prozent gesunken. Nach diesem Erfolg wird das Programm jetzt auch in anderen brasilianischen Staaten und südamerikanischen Ländern durchgeführt.

Die ILO schätzt, dass jeder Dollar, der in das Programm zur “Verhinderung von Drogenmißbrauch am Arbeitsplatz“ investiert wurde, 10 bis 15 US Dollar höhere Produktivität brachte. Vor allem aber brachte es Menschen wie Ademir und Valdir ein gesünderes und erfüllteres Leben.

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Foto: UN