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Norma spart ihre Zeit
Norma Llangos de Ruiz hat die Ankunft eines Technikers der Ernährungs - und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) mit Sehnsucht erwartet. 14 andere Frauen warten mit ihr in Calala, einer abgeschiedenen Siedlung im bolivianischen Hochland. Die 22-jährige Norma führt ihre Gruppe an und ist eine der wenigen Mitglieder, die zusätzlich zu dem regionalen Sprache, Quechua, Spanisch sprechen.

Als Yeric Peric, der örtliche Leiter eines FAO Nachernte-Projektes, zu ihnen kommt, begrüßen ihn die Frauen mit einem Glas des regional gegorenen Mais-Getränks, chicha. Er ist hier, um eine Getreidemühle und ein Silo zu errichten, um in Zukunft die Nahrungsmittel leichter aufbewahren zu können.

Ohne die Mühle verbrachte jede Frau zwei oder drei Stunden täglich damit, Weizen und Mais zwischen zwei Steinen zu mahlen, um genug Mehl für ihre Familie zu haben. Jetzt wird sich, laut Norma, die gerade bei einer Vorführung zur Bedienung und Instandhaltung der neuen Maschine zugeschaut hat, diese Zeit entscheidend verringern. “Es wird weniger als fünfzehn Minuten dauern, um genug Mehl für uns alle zu mahlen“, sagt sie.

Bisher mussten sich die Frauen von Calala nicht nur darüber Sorgen machen, wieviel Getreide sie ernten konnten, sondern auch, wieviel sie davon bei der Lagerung verlieren würden. Die Frauen bewahrten das Getreide traditionellerweise in einem Speicher über der Feuerstelle in ihren Küchen auf, wo der Rauch Schädlinge fernhalten soll. Aber dieses System war nicht sehr effektiv - jedes Jahr ging ein großer Teil der Ernte an Ratten und andere Schädlinge verloren.

Mit dem neuen Silo wird zusätzliche 20 bis 40 Prozent der jährlichen Ernte erhalten. Das bedeutet, daß bis zu 36.500 Kilo mehr Weizen jedes Jahr in Normas Gegend erhalten bleiben, genug um 500 bis 600 Familien zu ernähren. Außerdem bleibt das Getreide sauberer und gesünder.

“Es ist erstaunlich, welchen enormen Einfluß einfache Technologien auf das tägliche Leben der Landwirte haben“, sagt Yeric, nachdem er die Maschine installiert hat. “Wir können die Entwicklung in diesen Gemeinden bereits sehen. Die Kinder werden seltener krank und die Ernährung verbessert sich.“

Die Getreidemühlen und die Silos werden von TeleFood zur Verfügung gestellt, einer jährlichen FAO-Kampagne, die der Aufklärung dient und Mittel für die Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung in den Entwicklungsländern bereit stellt. Seit dem Beginn des Projekts 1997, hat die TeleFood Initiative 900 Basisprojekte in mehr als 100 Ländern gefördert, für die sie jährlich fast acht Millionen Dollar durch Konzerte, Sportveranstaltungen, Benefizgalas, Auktionen und Fernseh- und Radioprogramme aufgebracht hat.

In acht Monaten hat das TeleFood Programm 600 Silos und 20 Getreidemühlen in Normas Gegend in Bolivien errichtet. TeleFood hat für das Material bezahlt, aber die Menschen vor Ort haben die Arbeitskosten aufgebracht. Mit neun Dollar pro Silo und 125 Dollar pro Getreidemühle ist das keine geringe Summe in Dörfern, die nur über minimale Barmittel verfügen. Die Frauen in Calala haben lange Zeit gespart, um ihr Silo und die Mühlen kaufen zu können, aber sie sind überzeugt, daß es den finanziellen Aufwand wert sein wird. “Wir sind sehr glücklich. Mit dem Silo können wir unsere Ernte sicher aufbewahren, und die Mühle wird uns helfen, Zeit zu sparen“, sagt Norma.

Obwohl die Mühle und das Silo bisher die ersten und einzigen in Calala sind, träumen die Frauen hier davon, eines Tages eigene Mühlen und Silos zu besitzen - möglicherweise sogar eine Treschmaschine

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Foto: UN